Chaos adé

Zwischen Kunst, Dingen, Gedanken und Systemen

Über Chaos-adé

Es ist ja bekannt, dass das Ordnen bei vielen Menschen ziemlich viel Zeit beansprucht. Dabei ist Ordnung hier gar nicht nur das Ordnen von Dingen. Es ist auch ein Ordnen von Gedanken, eine Neuordnung von Prioritäten. Vielleicht ist es überhaupt ein Versuch, sich in all den Dingen, Bildern, Informationen und Möglichkeiten, die ständig auf uns einwirken, einen Überblick zu verschaffen.

Ordnen hat auch immer etwas Biografisches.

Beim künstlerischen Tun ist es ähnlich: Man gestaltet etwas und schaut dabei, was sich zeigt. Was zeigt sich da? Etwas Drittes, etwas, das nicht einfach nur aus einer bewussten Entscheidung entstanden ist. Danach stellt sich die Frage: Was ist das, was sich da zeigt? Wie ist das zu verstehen? Was könnte das bedeuten? Und dann kommt Phase drei: Was passiert, wenn ich gezielt eingreife? Wenn ich etwas verändere, verschiebe, hinzufüge oder wegnehme? (Mir fällt dazu gerade ein persönliches Beispiel ein, davon werde ich beim nächsten Mal erzählen …)
Es ist also auch ein bewusstes Durcheinanderbringen und Neuordnen. Manchmal kann das sogar bedeuten, etwas zu zerstören, um Platz für etwas Neues zu schaffen.
Nun, schön ist zugegebenermaßen aber auch der Moment, in dem etwas geordnet ist. Zum Beispiel ein clean desk, der so frisch und einladend ist wie der Morgentau (sofern man früh genug aufsteht). Das versuche ich regelmäßig, denn: Die nächste Un- oder Umordnung kommt bestimmt.
In einem Moment gefühlter Unüberwindbarkeit habe ich dann plötzlich laut „Chaos-adé“ gesagt. Dieser Begriff lag vor mir, hatte etwas Schwingendes, etwas Vielversprechendes. In jedem Anfang liegt ein Zauber.
Am Anfang war tatsächlich auch der Wunsch nach mehr Ordnung dabei. Aber je länger ich darüber nachdachte und nachdenke, desto weniger glaube ich, dass es hier überhaupt darum geht, das Chaos loszuwerden. Chaos-adé könnte also missverständlich sein, das ist mir bewusst.

Gehört Chaos dazu? Was ist Chaos?

Wir sortieren Dinge, Gedanken und Erinnerungen. Wir ordnen Projekte, Informationen und Bilder. Wir bauen Archive, Bibliotheken und Datenbanken, schreiben Listen und entwickeln Systeme. Und kaum haben wir etwas geordnet, entsteht schon wieder etwas Neues, das sich nicht so recht einfügen will.
Vielleicht ist genau dieser Moment interessant: das Ordnen, das Nichtfertigsein, das Dazwischensein. Durchatmen.

Ein Magazin

Aus diesen Gedanken ist www.chaos-adé entstanden. Ob das ein Projekt, ein Magazin oder eine Biografie wird, kann ich derzeit noch nicht sagen. Der Plan ist ein Magazin.
Die Themen kommen aus persönlichen Erfahrungen, einer Frage oder einer Entdeckung. Manchmal wird daraus ein kurzer Beitrag, manchmal eine Recherche oder ein Essay, manchmal vielleicht auch ein Projekt. Und manchmal bleibt es einfach bei einem Gedanken.
Vielleicht ist der Sinn dieses Namens: nicht das Chaos überwinden zu wollen, es nicht endgültig zu verabschieden, sondern immer wieder zu versuchen, darin etwas zu erkennen, es einzuordnen – und in diesem Dazwischen anzukommen.
Ohne es zu verklären.

Bis zum nächsten Mal.

Karen Oldenburg